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Liebe Imkerfreundinnen und Imkerfreunde,

viele von Euch bieten den Wildbienen Lebensräume an. Selten werden diese Kleinen von Euch gesehen oder als Bienen erkannt.
Ich möchte dazu beitragen, dass Ihr sie kennenlernt. Allerdings bin ich kein Experte. Ich habe mich nur seit Jahren etwas intensiver als der Durchschnitt der Imker mit den süßen Kleinen beschäftigt. Die Arten bestimme ich in der Regel anhand von Beobachtungen (beim Fotografieren), den daraus entstehenden Fotos und Unfallopfern.
Ich fange und töte keine Insekten. Daher werde ich häufig nur die Gattung (zum Beispiel Sandbiene) und nicht die Art bestimmen können (zum Beispiel: Rostrote Mauerbiene). Wenn möglich nenne ich den zoologischen Namen (in Klammern) weil es oft mehrere deutsche Namen gibt. Leider gibt es häufig auch mehrere lateinische Namen. Sofern der Aufwand nicht zu groß ist, nenne ich solche als Synonyme (Syn.). Irrtümer sind nicht ausgeschlossen.
Wer es besser weiß, sollte das melden. Ich korrigiere gern aufgrund begründeter Hinweise. Die meisten Fotos stammen aus meinem relativ naturnahen Garten. In anderen Fällen gebe ich den Aufnahmeort an.
Die Aufnahmezeit wird nach folgendem Muster angegeben: Anfang (A), Mitte (M), Ende (E), Monat Januar (I), Februar (II), März (III). Sofern ich die Pflanze kenne, wird sie mit deutschem und botanischem Namen genannt. Die in der Literatur angegebene Flugzeit wird in Monaten angegeben. Zum Beispiel: III-VI (März bis Juni). Einige weitere Angaben sind möglich.
Genug der Vorrede. Ich hoffe, dass ihr mit meinen Ausführungen einige Wildbienen in eurem Umfeld erkennen könnt, um ihnen noch gezielter Lebensräume anbieten zu können.

Noch eine Ergänzung!
Es gibt Imker, die betrachten die Honigbienen als die wichtigsten Bestäuber und man kann oder könnte manche Argumente dafür anführen. Ich mag keine solche Wertung vornehmen und finde das als unseriös, unwissenschaftlich, vielleicht sogar arrogant.
Die Bemerkung "wichtigste Bestäuber" gilt nämlich nur in begrenztem Rahmen für die Bestäubung unserer Kulturpflanzen. Unsere Pflanzenwelt besteht aber aus Wild- und Kulturpflanzen. Die Kulturpflanzen sind in der Regel vom Menschen und/oder von den Tieren genießbar.
Daher gelten sie als besonders wertvoll und die Bestäuber als besonders wichtig. Viele Wildpflanzen sind aber häufig die Basis unserer Kulturpflanzen und zudem selbst "eßbar". Sie enthalten häufig viel wertvollere Inhaltsstoffe als die Kulturpflanzen.

Honigbienen und Wildbienen sowie die anderen Bestäuber haben gleichwertige Bedeutung. Imker und Naturschützer sollten sich zusammen tun um unsere Umwelt zu erhalten!!!

Jürgen Gräfe


Frühlings-Seidenbiene

Eine weitere Wildbienenart ist eine Seidenbiene (Colletes).

Bemerkungen zur Gattung
Artenzahl in Deutschland: 16
Nistplätze: sandige, lockere Böden, Lehm- und Lößböden; oft in großen Kolonien. Frische bzw. erneuerte Eingänge zum jeweiligen Nistplatzgang erkennt man an kleinen vulkanförmige Erdhügelchen (s. Foto). Dies erodieren nach gewisser Zeit oder werden durch Betreten oder sogenannte Pflegemaßnahmen ge- oder zerstört.

Generationen: 1 pro Jahr

Woher kommt der deutsche Name Seidenbiene?
Das Weibchen erzeugt in der Dofour`schen Drüse ein Sekret. Damit werden die Innenwände der Nistzellen mit einer dünnen, seidenartig durchscheinenden Membran ausgekleidet. Sie ist übrigens für Wasser undurchlässig.

Begattung: sofort nach dem Schlupf am Schlupfloch oder im Flug und auf dem Boden. Häufig kämpfen mehrere Männchen um den Begattungserfolg bei einem Weibchen.

Schutz (wie bei allen erdbewohnenden Wildbienen): Flächen nicht betreten !

Nun zu einer speziellen Art:

Die Weiden- oder Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) mit Flugzeit: M März bis M Mai (daher Frühlingsseidenbiene).

Nahrungspflanzen und zugleich Bestäubungsinsekt (bei): bevorzugt Weiden, sie sucht aber auch Blüten von weiteren 5 Pflanzenfamilien auf

Gegenspieler: alle Wildbienen haben auch Gegenspieler.

Die im Bild unten gezeigte Blutbiene ist wahrscheinlich die wichtigste Gegenspielerin. Diese Blutbiene versucht auch bei Eingangsbewachung an der Nestbesitzerin vorbei in den Gang zu gelangen. Dabei ist sie sehr rabiat und beißt die Seidenbiene. Wie in diesem Fall gewinnt häufig die Seidenbiene. Dann bleibt die Blutbiene in der Nähe und versucht erneut einzudringen. Gelingt das nicht, sucht sie ein anderes Opfer oder dringt in unbewachte Nistgänge ein (eigene Beobachtungen).

Allgemein gilt: Die Blutbienen dringen in die Wirtszelle ein, vernichten das Ei oder die junge Larve und legen ihr Ei auf den Futtervorrat. Blutbienen sind also Kuckucksbienen.

Fläche mit Erdhäufchen und Nistlöchern der Frühlings-Seidenbiene
Frühlings-Seidenbiene Anflug am Nest mit Pollenhöschen
Seidenbiene am Nesteingang mit Pollenhöschen
Paarung (Kopulation)
Seidenbiene bewacht den Nesteingang
Anflug der Blutbiene; der Nistgang wird von der Seidenbiene bewacht
Blutbiene sondiert ihre Chancen vor dem Angriff
Die Blutbiene greift an
Angriff abgewehrt

Aschgraue Sandbiene

Derzeit (April bis Mai) fliegt die "Aschgraue Sandbiene" (Andrena cineraria).
Größe: Weibchen 13 -15 mm, Männchen 10-13 mm
Sonstige Merkmale Weibchen: Brust mit langen weißen Haaren, dunkel bläulich glänzender Hinterleib.
Nistweise: in lockerem snadigen und lehmigen Böden.
Nistgänge werden selbst gegraben - Tiefe 10 bis 20 cm.
Blütenbesuch: Polylektisch, das heisst: Pflanzen von mehreren Pflanzenfamilien werden für die Pollenversorgung der Brut genutzt (bei dieser Art sind es Pflanzen von 7 Pflanzenfamilien).

an Feuerdorn (weibliche Biene)
an Raps
Aschgraue Sandbiene (weiblich) gräbt Nesteingang

Natternkopf-Mauerbiene

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Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca), Weibchen. Sie fliegt vom Juni bis August, in der Zeit, in der der Natternkopf (Echium vulgare) blüht. Die Weibchen variieren in der Größe von 8 bis 13 mm. Das gilt auch für die Männchen.

IMG_2010 V

IMG_1989 V Nestverschluss

Nistweise: Es werden Fraß- und Bohrgänge (auch Bohrungen) von 4 bis 7mm Durchmesser angenommen. Die Zellen werden mit sandig- lehmigen Erden und als Abschluss mit Steinchen verschlossen.

natternkopf-gemeiner-v_0652

IMG_1861 V
Ansiedlung: Die Ansaat von Natterkopf, den Samen über Jahre hinweg ausfallen lassen, oben erwähnte Bohrungen  ins Holz bringen und über Jahre auf geschützte, sonnenbeschienene und vor Regen geschützte Flächen bringen, garantiert deren Ansiedlung.


Zweifarbige Mauerbiene

Mauerbiene
Die Zweifarbige Mauerbiene fliegt schon wieder. Nachdem sie Pollen und Nektar in das Schneckenhaus eingetragen hat, verschließt sie die Zelle mit Pflanzenmörtel, Lehm und Steinchen. Hier trägt sie Pflanzenmörtel heran. Er besteht aus abgenagten, jungen Blattstücken.
Mauerbiene Erdbeere
Die Zweifarbige Mauerbiene (Osmia bicolor) bestäubt effektiv die Blüten der Erdbeerpflanzen. Mit ihrem Bauch nimmt sie Pollen auf und streicht sie zugleich auf den Narben der Erbeerblüten wieder ab. Das nennt man "Bestäubung". Die "Befruchtung" ist dann ein anderes Thema :-))
Mauerbiene getarnt
Bienen, ob Honigbienen oder Wildbienen ruhen regelmäßig (schlafen) auf den Pflanzen. Das ist so eine Situation. Trotz der zwei Farben: schwarz/ rotbraun ist die kleine Biene (8-9mm) auf den Pflanzenteilen gut getarnt.

Anthophora plumipes, Syn.A.acevorum, Frühlings-Pelzbiene, Pelzbiene, Lungenkraut, MIII, 2912, R Webs

Bereits seit März fliegt die Frühlings-Pelzbiene. In allen drei Bildern werden Männchen vorgestellt. Manchmal sonnen sie sich an einer Hauswand, häufig naschen sie vom Lungenkraut. Hier lauern die Männchen auf die Weibchen. Sie ruhen sich nicht selten in Bohrlöchern von 8-10 mm Durchmesser aus. Sie nisten jedoch in der Erde, häufig an Steilwänden oder Trockenmauern mit ähnlicher Struktur.

Pelzbiene
Pelzbiene auf Lungenkraut
Pelzbiene
Das Männchen sonnt sich an einer Hauswand
Pelzbiene
Pelzbiene ruht in einer leeren Niströhre

Admiral auf Blaukissen

Schmetterlinge sind gute Bestäuber für Blütenpflanzen deren Blüten tiefe Kelche haben (z.B. Schmetterlingsstrauch).
Manche Schmetterlinge überwintern unter unseren Mitteleuropäischen Bedingungen, andere in wärmeren Zonen.
Dieser, der Admiral, wanderte früher und z.T. noch heute zwischen dem Mittelmeerraum und dem nördlichen Europa.
Inzwischen überwintern manche wärmeliebende Arten auch bei uns.
Normalerweise wandern die "Admirale" im Mai bei uns ein. Dieser hat wie manche andere bei uns überwintert. Daher fand ich ihn bereits Ende März an Blaukissen in meinem Garten. Ein Zeichen (von vielen anderen) der Klimaerwärmung!

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Im Bild sieht man sehr schön, dass der hübsche Käfer mit seinen
Bauchhaaren den Pollen des Krokus aufnimmt. Man kann leicht ahnen, dass er auf der Narbe einer anderen Blüte wieder abgeladen wird und der
Bestäubungseffekt recht groß sein kann.